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Aktuelles

Judith Kohlenberger, wissenschaftliche Projektleiterin am Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien, setzt sich in einem aktuellen Arbeit&Wirtschaft Blog mit dem Thema Integration im Regierungsprogramm auseinander. Fest gestellt wird: Neben zahlreichen positiven Ansätzen wird sprachlich nach wie vor gespalten. Ernst gemeinte Gleichstellungspolitik wie auch

Maßnahmen gegen Dequalifikation am Arbeitsmarkt fehlen.

Unbeantwortet im Regierungsprogramm bleibt zudem die Frage, wie man der Dequalifikation von Migrant*innen am Arbeitsmarkt entgegensteuern möchte. Denn Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund sind wesentlich häufiger für ihre ausgeübte Tätigkeit überqualifiziert als Einheimische, wie auch der jüngste OECD-Wirtschaftsbericht für Österreich festhält; sie arbeiten häufiger in prekärer Beschäftigung, in Teilzeit und in haushaltsnahen Dienstleistungen. Zwar findet sich der halbherzige Passus „Migrantinnen und Migranten entsprechend ihrer Qualifikation und Fähigkeiten beschäftigen“, konkrete Maßnahmen, um dieses hehre Ziel zu erreichen, bleibt das Programm aber schuldig. Dabei liegen entsprechende Vorschläge schon lange auf dem Tisch. So könnten beispielsweise schnellere, pragmatische Nostrifikationsverfahren und mehr Unterstützung beim Anerkennungsprozess dazu führen, dass Migrant*innen ihr mitgebrachtes Humankapital wesentlich passgenauer am österreichischen Arbeitsmarkt einsetzen können. Nicht zu vergessen ist dabei, dass bei Überqualifikation auch explizite und implizite Diskriminierung (siehe aktive Anti-Diskriminierungs-Politik) sowie fehlende soziale Netzwerke und Sprachkenntnisse eine Rolle spielen. Das Regierungsprogramm liefert dazu erste Impulse, eine umfassende Strategie bleibt es aber schuldig.

Integration im Regierungsprogramm: Was lässt hoffen, was bangen und was fehlt?, Judith Kohlenberger