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Aktuelles

Judith Kohlenberger von der Wirtschaftsuniversität Wien spricht sich in einem Interview mit der Tageszeit „Der Standard“ für eine nachhaltige arbeitsmarktpolitische Integration von Flüchtlingen aus. Je höher gebildet jemand ist und je eher jemand in einer qualifizierten Tätigkeit beschäftigt sein möchte, umso länger kann der Weg in den Arbeitsmarkt dauern. Das ist allein schon wegen der besseren Deutschkenntnisse der Fall, die in solchen Berufen oft erforderlich sind. Es bringt es nichts, sie in prekäre Hilfsarbeiterjobs zu drängen, wo sie eher Gefahr laufen, wieder arbeitslos zu sein.

Wesentlich wäre unter anderem, stärker die Gruppe der Frauen in den Fokus zu nehmen. Frauen sind Multiplikatoren bei der Integration: Wenn es gelingt, sie in den Arbeitsmarkt einzubinden, schlägt sich das viel stärker auf die zweite und dritte Generation nieder. So wie bei österreichischen Frauen sind Mehrfachbelastungen ein großes Thema. Gerade in stärker patriarchal geprägten Partnerschaften, sind Frauen für Kinderbetreuung und Haushalt zuständig, aber auch dafür, im neuen Land die alten Traditionen weiterzuleben. Vielen Frauen würden flexible Integrationsangebote helfen.  Nicht alle können sofort und begeistert alle Freiheiten in Österreich nützen.

Der Kinderwunsch wird überdies während Krieg und Flucht aufgeschoben und erst realisiert, wenn man in Sicherheit ist. Wer in Mutterschutz oder Karenz ist, steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, meldet sich vielleicht auch später nicht beim AMS. Man bräuchte daher auch für jene Frauen, die schon einige Jahre hier sind, Angebote, weil für sie der Weg in den Arbeitsmarkt, der Integrationsweg, erst verspätet beginnt.

Migrationsforscherin: "Es bringt nichts, Flüchtlinge in prekäre Hilfsarbeiterjobs zu drängen" , Der Standard, 17. Jänner 2019