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Aktuelles

Vor kurzem wurde der Forschungsbericht „Integrationsmaßnahmen und Arbeitsmarkterfolg von Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten in Österreich“ des FIMAS-Projektes veröffentlicht. Der im Rahmen des FIMAS-Projekts umgesetzte Intergrationssurvey unter Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten in Österreich liefert eine sozialwissenschaftliche Datengrundlage zur Analyse des Status Quo und zu Integrationsprozessen am österreichischen Arbeitsmarkt.

Befragt wurden dazu knapp 1.200 Flüchtlinge in fünf österreichischen Bundesländern. Zielgruppe waren Personen im erwerbsfähigen Alter aus Syrien, Afghanistan, Irak und der Russischen Föderation (vor allem TschetschenInnen), die in den letzten zehn Jahren  einen Status als Asylberechtigter  oder subsidiär Schutzberechtigter erhalten haben.

Nach Analysegruppen zeigen sich große Differenzen in den Bildungsabschlüssen. Der Anteil der AnalphabetInnen ist unter AfghanInnen am höchsten. Unter den TschetschenInnen/RussInnen und IrakerInnen ist die Hälfte hochqualifiziert, SyrerInnen haben den höchsten Anteil an mittlerer Qualifikation im Vergleich zu den drei anderen Gruppen. Frauen sind zwar häufiger niedrig gebildet, können aber gleichzeitig öfter Hochschulabschlüsse vorweisen.

Die Ergebnisse deuten auf die Entwertung von Bildungsabschlüssen hin. Im Ausland erworbene Abschlüsse sind am österreichischen Arbeitsmarkt nicht direkt verwertbar. Es sind vor allem Höherqualifizierte, die Schwierigkeiten haben, eine Erwerbsarbeit zu finden. Besonders positiv wirkt die Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen auf die Erwerbsintegration in Österreich.

Nur ein geringer Teil, die eine Ausbildung im Ausland absolvieren, hat aber in Österreich einen Antrag auf Anerkennung oder Bewertung ihrer ausländischen Bildungsabschlüsse gestellt. Mit dem Anerkennungs- und Bewertungsgesetz (besondere Bestimmungen für Flüchtlinge im Fall fehlender Dokumente), einem Online-Portal und Beratungsstellen (Anlaufstellen für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifiaktionen - AST) könnte sich in Zukunft die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtern.

Genutzt wurde die Möglichkeit zur Anerkennung oder Bewertung besonders von AkademikerInnen. Von diesen haben fast 50 % einen Antrag gestellt.

In einer multivariaten Analyse zum Effekt von Bildung auf die Arbeitsmarktintegration wurde untersucht, ob Personen mit unterschiedlichem Bildungsstatus und Erwerbserfahrung in Österreich unterschiedliche Chancen haben jemals erwerbsfähig gewesen zu sein. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass es mit der Flucht zu einer Entwertung von Bildungsabschlüssen kommt, oft schon vor dem Zuzug nach Österreich.

Erwerbserfahrung vor dem Zuzug nach Österreich trägt in Österreich positiv zur Arbeitsmarktintegration bei. Vor allem ehemalige HilfsarbeiterInnen haben höhere Chancen Erwerbsarbeit zu finden. Trotz des FacharbeiterInnenmangels in Österreich waren es insbesondere ehemalige TechnikerInnen, die nur geringe Chancen hatten, eine Erwerbsarbeit zu finden.

Damit in Zusammenhang steht die hohe Konzentration der Erwerbstätigen auf Hilfstätigkeiten, vor allem in den Bundesländern. Nur in Wien ist die Verteilung der Tätigkeiten auf verschiedene Berufsfelder breiter.

Trotz der oft niedrigen Bildungsabschlüsse von AfghanInnen funktioniert die Arbeitsmarktintegration nicht schlechter oder langsamer als bei anderen Gruppen. IrakerInnen konnten in Summe ihre hohen Bildungsabschlüsse nicht verwerten. SyrInnen stellen die Gruppe mit der kürzesten Aufenthaltsdauer in Österreich dar, finden aber am schnellsten in die erste Erwerbstätigkeit.

Die Diskussion über die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen kann nicht pauschal geführt werden, sondern muss gruppenspezifische Differenzen nach Herkunftsland sowie auch nach Geschlecht, Bildung und Ausbildung/Beruf in den Vordergrund der Analyse stellen.

Roland Hosner, Irina Vana und Golschan Khun Jush (2017): Integrationsmaßnahmen und Arbeitsmarkterfolg von Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigen in Österreich. Forschungsbericht des FIMAS-Projekts. ICMPD.

Informationen zum FIMAS-Projekt.